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Baumhöhlen - Wohnstätten für Fledermäuse

Waldbewohnende Fledermäuse wie die Abendsegler, Fransen-, Bart- und Bechsteinfledermäuse sind auf alte Bäume mit Höhlen angewiesen. Baumhöhlen entstehen durch Spechte, nach Verletzungen und durch die Wirkung holzzersetzender Organismen. Sie dienen als Nahrungsdepot, Schlafplatz, Unterschlupf und haben vor allem in der Fortpflanzungsperiode für Vögel und Fledermäuse große Bedeutung. Unterschieden wird zwischen Primärnutzern, die ihre Höhle selber anlegen (Spechte), und Sekundär- oder Folgenutzern wie z. B. den Fledermäusen, die fertige Höhlen beziehen.


Wie findet man Baumhöhlen, die von Fledermäusen besetzt sind?

Verschiedene Höhlenarten an einem Baum
  • Soziallaute des Großen Abendseglers sind teilweise mit bloßem Ohr zu hören.
  • Wachen Abendsegler aus der Tageslethargie auf, geben sie hohe Zeterlaute von sich, ähnlich wie aggressives Meisengezwitscher. Die Laute sind in Entfernungen von 50 m noch zu hören und verstärken sich bis 1 Stunde vor Sonnenuntergang.
  • Während der Balzzeit im August/ September und nach dem Winterschlaf im März/April sind mit bloßem Ohr hohe ein- und zweisilbige Pfiffe zu hören, die sich mit dem Batdetektor bei 12-18 kHz eher schmatzend anhören.
  • Wachen Abendsegler an warmen Tagen im Winterquartier auf, fühlen sich die lethargischen Tiere durch die Aktivität gestört und geben hohe "Zieh"-Laute von sich.
  • Die Soziallaute ermöglichen direktes Auffinden der Quartiere.
  • Schwarmverhalten: zurückkehrende Fledermäuse schwärmen am Quartierbaum, durch die Beobachtung des Schwärmens sind Quartiere aufzufinden. Wasserfledermäuse schwärmen 1-1,5 Stunden vor Sonnenaufgang 15-60 Minuten lang.
  • Indirekte Nutzerhinweise: Kot- und Urinspuren an den Baumstämmen, Fliegen im Eingangsbereich, verfärbte Einfluglöcher, Kot und Urin auf Pflanzen können auf die Nutzung einer Baumhöhle durch Fledermäuse hinweisen.



Welche Tiere nutzen Baumhöhlen?
Baumhöhlen werden ganzjährig genutzt z. B. durch Große und Kleine Abendsegler, die fünf Spechtarten, Bienen, Eichhörnchen, Meisen, Kleiber, Zaunkönig, Baumläufer und Star. Schwerpunkt der Vogelnutzung ist die Zeit von März bis Juni, die Vogelbruten sind bis Mitte Juni ausgeflogen. Oft werden mehrere Quartiere an einem Baum genutzt. Höhlen können während des Jahres von unterschiedlichen Nutzern bewohnt werden. Möglich ist folgende Besetzung einer Baumhöhle im Jahresverlauf:

Nov.-Februar → Abendsegler (Winterschlaf)
April → Eichhörnchen
Mai - Juni → Honigbienen
April - Juni → Buntspecht
Ab August → Abendsegler, zur Balz
Ab November → Abendsegler (Winterschlaf)


Wann und wie können Baumhöhlen von Fledermäusen genutzt werden?
Große Abendsegler nutzen die Höhle als Winterquartier, Zwischenquartier, Wochenstube und als Balzquartier. Eine Höhle in einer über 100 Jahre alten Rotbuche in Leverkusen-Opladen war im Spätsommer 2003 von 23 Großabendseglern besetzt. Da Höhlen durch Verschmutzung (Nistmaterial, Bienenwaben, Urin, Kot) und damit verursachte Parasitenzunahme unbrauchbar werden, sind mehrere Höhlen, in die Fledermäuse wechseln können, in einer Waldparzelle notwendig.


Erhalt von Höhlenbäumen - Fledermausschutz im Wald
Mit einem vermehrten Angebot an Altholz, der Erhaltung alter Höhlenbäume und markanter Einzelbäume und der Bewahrung von Altholzzellen kann ein ausreichendes Quartierangebot für höhlenbrütende Vögel und für Fledermäuse gesichert werden. Enge Spalten hinter abstehender Rinde und in rissiger Borke nutzen z. B. Bech-stein- und Mopsfledermaus als Sommerquartiere.


Fledermauskästen - Höhlenersatz
Wenn in geeigneten, gut strukturierten Waldgebieten mit reichlichem Nahrungsangebot Naturhöhlen fehlen, so kann man Fledermäuse mit Kunsthöhlen fördern. Fledermauskästen sind immer Er-satz; Maßnahmen zur Förderung natürlicher Quartiere müssen im Vordergrund stehen.
Als Sommerquartiere können Fledermaushöhlen aus Holzbeton (z.B. Firma Schwegler Typ "2 FN") ausgebracht werden. An Jagdkanzeln lassen sich für Spaltenbewohner (z. B. Wasserfledermäuse) leicht Fledermausbretter oder Flachkästen aus ungehobeltem Holz anbringen.
Eine Bauanleitung für einen Flachkasten und Hinweise zum Ausbringen der Fledermauskästen finden Sie hier.

Mechtild Höller